Story Nr. 1

1. Kapitel

Der Atem brannte in ihrer Lunge. Sie presste das Päckchen fest an ihre Brust und rannte weiter, dem Stall entgegen. „Nur weiter!“, hämmerte es in ihrem Kopf.

***

Es war Abend, und Ms. Ghoul lag auf dem Strohlager. Die Schmerzen waren unerträglich geworden. Das kleine Wesen wollte raus. Die Magd, genannt Lucie, tauchte den Lappen in eine Schüssel mit kaltem Wasser und strich damit über die Stirn der Gebärenden.                                                                  Ms.Ghoul hieß Magdalena, wurde aber von allen Frauen im Dorf nur „Ena“ gerufen. Ihr Mann, Jasper Ghoul, hatte ein paar wohlhabende Händler zu Gast, und so hatte seine Frau sich in einen kleinen Nebentrakt des Haupthauses zurückgezogen. Männer waren bei der Geburt nicht erlaubt.

So trug es sich nun zu, dass Lucie neben Ms.Ghoul im Stroh kniete. Endlich fand das kleine Kind den Weg nach draußen. „Lucie…“  Ms.Ghoul stöhnte. Die Anstrengungen der Geburt forderten ihren Tribut. Langsam schloss sie die Augen, ihr Kopf sackte zur Seite. „Ms.Ghoul !“ Lucie erschrak, überprüfte die Atmung der vor ihr liegenden Frau und lächelte dann zufrieden.  Ms. Ghoul würde es bald wieder besser gehen. Nachdem sie die Mutter und das Neugeborene versorgt hatte, öffnete sie vorsichtig die Tür. Ihre Augen wanderten suchend durch das Dunkel. Lange musste die Magd nicht warten. Nicht weit entfernt raschelte es. Kurz darauf trat ein dicklicher Mönch in brauner Kutte in den Lichtkreis der geöffneten Tür. In den Armen hielt er ein in weiße Windeln gewickeltes Bündel. „Ist sie das ?“ Der Mönch nickte. Zögerlich übergab er das Bündel in die Arme der Magd. „Dass Ihr ja gut auf sie Acht gebt“, bat der Mönch. „Natürlich, macht Euch keine Sorgen.“  Sprach’s und schloss die Tür hinter sich.

***

Mr.Ghoul war außer sich vor Freude - seine Frau hatte ihm seinen sehnlichsten Wunsch erfüllt. Selig lächelnd trat er an das Lager seiner Gattin. Fordernd streckte er seine Arme aus. Lucie übergab das Bündel ihrem Herrn. Liebevoll blickte der Mann seinem Sohn in das Gesicht. „Jasper“, flüsterte Mr. Ghoul leise. „Ja, genau wie du“, erwiderte seine Frau, “und das Mädchen?“ „Es sieht so anders aus…Mary-Ann“, meinte Mr. Ghoul nach kurzem Nachdenken.                                                                           In diesem Moment wurde der Vorhang, der Wohnstube und Schlaflager trennte, beiseitegeschoben. Dahinter lugten drei neugierige Gesichter hervor. Sie gehörten den Töchtern, die Mary-Ann und Jasper zuvorgekommen waren. Elisabeth war elf Jahre alt, Therese acht und Victoria fünf. Alle hatten die Gesichtszüge ihres Vaters und rotbraune Haare , die im Sonnenlicht wie die Herbstblätter leuchteten. „Guten Morgen, Vater, guten Morgen, Mutter. Dürfen wir das Baby sehen ?“, fragte Elisabeth flüsternd. „Natürlich, mein Kind. Doch ich muss euch enttäuschen. Ihr habt kein Geschwisterchen bekommen.“ Die drei senkten traurig die Köpfe. Ihr Vater schmunzelte und fuhr fort : „Es sind gleich zwei, ein Junge und ein Mädchen. Sofort erhellten sich die Gesichter und stürmten mitsamt dazugehörigem Körper in das kleine Kämmerchen.                                                                                  Leise zog sich der Vater in eine Ecke des Raumes zurück. Stirnrunzelnd hing er seinen Gedanken nach. Klar war er stolz auf seinen Sohn, aber dieses Mädchen… Alle in der Familie hatten braune Augen, doch Mary-Ann blickte ihn aus unergründlich grünen an. Auch sonst… Er hatte ein komisches Gefühl. Kopfschüttelnd vertrieb er die düsteren Gedanken.

 

...

18.11.13 19:38

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


bird.in.a.cage / Website (18.11.13 19:40)
Sorry, sehe grade, dass die Formatierung nicht passt. werde das noch verbessern

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